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Kirche des Allmächtigen Gottes (Easter Lightning)

Wahrnehmungen

Seit einiger Zeit erreichen mich und ande­re Menschen aus der Kirche in den sozia­len Netzwerken immer wieder Freund­schaftsanfragen von jungen Chinesinnen, die auf ihren christlichen Glauben hinwei­sen, teilweise auch verbunden mit gelun­gener Lebenshilfe („Wie mir mein Glaube geholfen hat, mit Stress umzugehen“). Im Profilhintergrundbild ist meistens ein ziem­lich kitschig illustriertes Bild mit einer Landschaft und Pflanzen und Tieren zu se­hen. Schaut man auf die „Gefällt mir“-Lis­ten bei Facebook, landet man schnell bei der sogenannten „Kirche des Allmächti­gem Gottes“, die eine Vielzahl von Social Media Profilen und Webseiten mit unterschiedlichen Na­men betreibt und mit Videoclips und YouTube Kanälen wirbt. Zu ihr gehört auch das Online-Bibel­portal bibel-de.org.

 

Herkunft und Verbreitung

Die Glaubensgemeinschaft war vor allem in China bekannt unter der Fremdbezeichnung „Eastern Lightning“ (Dōngfāng Shǎndiàn). Der Namen spielt an auf Matthäus 24,27 („Wie der Blitz ausgeht vom Osten, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein“). Der Osten wurde von ihnen mit China identifiziert und der Blitz mit einer Frau, in der Christus wiedergekommen sein soll.

Sie nennen sich selbst „Kirche des allmächtigen Gottes“ und wurden 1991 durch den ehemaligen Physiklehrer Zhao Weishan gegründet, der nach eigenen Angaben in der chinesischen Provinz Hen­an die junge Yang Xiangbin traf, die sich selbst Lightning Deng nannte und in der Weishan eine Reinkarnation von Jesus Christus zu erkennen meinte. Er begann hauptsächlich in der Hauskirchenbewegung, aus der er vermutlich selber stammte, Anhänger zu sammeln, so dass bald schon vor einer Unterwan­derung der Hauskirchenarbeit gewarnt werden musste. Missionarische Aktivitäten führten die Glaubensgemeinschaft auch nach Europa. Nach eigenen Angaben soll sie weltweit vier Millionen Mit­glieder haben und in 32 Ländern aktiv sein. Sie nutzen vor allem soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter.

 

Inhalte

Die Lehre von dem in einer Frau wiedergekommenen Jesus Christus ist eingebettet in die Vorstel­lung von der Abfolge dreier Zeitalter: Das Zeitalter des Gesetzes steht am Anfang der Geschichte, dazu gehört das Alte Testament mit Mose als Propheten. Es folgt das Zeitalter der Gnade bzw. der Erlösung mit dem menschgewordenen Gott, der in Jesus für die Sünden der Menschen am Kreuz starb. Das dritte Zeitalter ist das des Allmächtigen Gottes mit seinem Königreich. Dieses müsse noch kommen, da die Menschen auch nach dem Kreuzestod weiter in Sünde lebten und erst in diesem dritten Zeitalter die vollständige Erlösung erfahren würden.

Die Mitglieder sehen sich in einem endzeitlichen Kampf, der eines großen missionarischen Einsat­zes bedarf. Glaubensprüfungen, die Säuberung von allem Bösen und Gerichtsgedanken stehen da­her im Zentrum. Absoluter Gehorsam und Selbstverleugnung sind dazu notwendig. Nur in der Kir­che des Allmächtigen Gottes könne man dem in der Frau wiedergekommenen Christus begegnen.

 

Einschätzungen aus christlicher Sicht

Die Kirche des Allmächtigen Gottes versteht sich selbst als christliche Kirche. Mit ihrem Offenba­rungs- und Exklusivitätsanspruch stellen sie sich jedoch außerhalb der gesamten ökumenischen Christenheit. Es handelt sich um eine synkretistische Neuoffenbarungsreligion, in der einzelne christliche Elemente mit Sonderlehren und volkstümlichen Akzenten kombiniert werden. Die zen­trale christliche Gottesvorstellung und das in Christus bewirkte Heil werden unkenntlich.

Ihr Vorgehen ist intransparent, ihre Versammlungen werden nicht offen kommuniziert. Auf der ei­genen Website findet man lediglich eine Telefonnummer und eine Emailadresse.1

In Aussteigerberichten zeigt sich das Bild einer fanatischen Gruppen, die ihre Mitglieder unter gro­ßen psychischen Druck setzt und auch vor gezielten Manipulationen nicht zurückschreckt. Auch von starken Persönlichkeitsveränderungen ist die Rede.

Ihre Mitglieder versuchen gezielt, vor allem über soziale Netzwerke, christliche Gemeinden zu infil­trieren und engagierte Christen anzusprechen, um neue Mitglieder zu rekrutieren. Dabei instru­mentalisieren sie das Thema der Christenverfolgung in China, sie selbst stehen auf der xie jiao-Liste der verbotenen Gruppen in China und werden von der chinesischen Regierung als gefährlich angesehen und verfolgt.

Ein spektakulärer Mord in einem MacDonald´s Restaurant in Zhaoyuan in der ostchinesischen Pro­vinz Shandong wird von China als Beleg dafür gesehen. Eine Frau soll dort von Mitgliedern totge­prügelt worden sein, weil sie sich der Missionierung widersetzte. „Fahr zur Hölle“, habe der Angreifer geschrien, bevor er auf die wehrlose Frau ein­schlug, bis sie starb. Seine fünf Begleite­rinnen und Begleiter drohten unterdes­sen den anderen Gästen. Der Vorfall wurde mit Handykameras mitgefilmt. Geholfen hat der Frau niemand und die Polizei kam erst spät, so berichten diver­se Agenturmeldungen. Die Täter wurden zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.2

Unklar ist allerdings, ob es sich dabei um Mitglieder einer ähnlichen Gruppierung handelt, außerdem muss eine mögliche chinesische Staatspropaganda mitbedacht werden, denn die Kommunistische Partei Chinas stellt aus Sicht dieser Glaubensgemeinschaft das personifizierte Böse dar.

In der Öffentlichkeit entsteht so ein sehr widersprüchliches Bild von der „Kirche des Allmächtigen Gottes“.

 

Handlungsempfehlungen

Wie bei allen Glaubensgemeinschaften mit Exklusivitätsanspruch sind auch hier ökumenische Ge­spräche sinnlos. Allerdings geschieht bei uns die Kontaktaufnahme immer individuell, indem ein vorgeblich gemeinsamer christlicher Glaube genannt wird.

Von Netzwerk-Kontakten mit Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft ist abzuraten. Die Anfragen­den suchen gezielt nach Freundeslisten von Christ*innen, um neue Kontakte anzufragen - auch von kirchlichen Funktionsträgern und kirchenleitenden Mitgliedern.

Durch die eingestellten frommen Sprüche soll man sich nicht täuschen lassen. Auch die Instrumen­talisierung der problematischen Situation für christliche Kirchen in China ist keine Basis für Ge­meinsamkeiten.

 

 

Andreas Hahn 27.5. 2020

1https://www.kingdomsalvation.org/de/about-us.html

2https://www.ntdtv.com/gb/2014/06/03/a1113707.html (0:49min – 1:12min zeigt die Videoausschnitte zu dem Vorfall)

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Videoaufnahmen der Mordtat