Sekten- und Weltanschauungsfragen Sekten- und Weltanschauungsfragen
Unabhängige Neugrüdnungen neben den Kirchen

Neben Kirchen und Freikirchen

Neben den etablierten landes- und freikirchlichen Strukturen kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu zahlreichen neuen Gemeindegründungen, die sich oft aus kleinen aktiven Glaubens- oder Hauskreisen entwickelt haben und einen Ausdruck der gesellschaftlichen Individualisierung darstellen. Nicht selten versammeln sie sich in nichtsakralen Gebäuden (Fabrikhallen, Einkaufsläden), die sie zu Gottesdiensträumen umgestaltet haben. Auch wenn ihre Präsentationen sehr modern erscheinen, ist ihre Theologie in der Regel konservativ und modernitätskritisch. Vor allem junge Erwachsene und junge Familien im städtischen Umfeld suchen hier nach neuen Ausdrucksformen für ihren Glauben – mit der Tendenz, sich auf die eigene Gemeinschaft und das eigene kulturelle Umfeld zurückzuziehen, eine homogene Gemeinde zu bilden mit elitärer Abgrenzung nach außen.

Sie selbst bezeichnen sich gerne als „evangelische Freikirche“, ohne dass sie eine organisatorische Beziehung zu den klassischen Freikirchen haben. In ihrem Selbstverständnis betonen sie im Gegenteil ihre Konfessionsunabhängigkeit.

Viele dieser neuen Gemeinde sind pfingstlerisch-charismatisch geprägt, teilweise klein und unbemerkt, daneben entstanden aber auch große Zentren mit lockeren, netzwerkartigen Verbindungen (Christliche Zentren z.B. im Ruhrgebiet oder in Bielefeld, Christus für alle Nationen- und Vineyard-Gemeinden, die Freie Christliche Jugend Gemeinschaft in Lüdenscheid).

Ein vergleichsweise kleinerer Typ repräsentiert eine bibel-fundamentalistische Frömmigkeit. Er konkretisiert sich u.a. in der „Konferenz für Gemeindegründung“, einem losen Netzwerk kleiner selbständiger Gemeinden, die für sich die „Reinheit“ der biblischen Lehre und Gemeindepraxis in Anspruch nehmen. In ihrer elitären dezidierten Abgrenzung gegen volkskirchliche Strukturen als „unbiblisch“, gegen alle ökumenischen Institutionen (vom ÖRK bis zur Deutschen Evangelischen Allianz) und gegen populäre missionarische Initiativen, in ihrer Abgeschlossenheit, ihren autoritären Leitungsstrukturen sowie ihrer Betonung rigider Moral und Ordnung haben viele dieser Gemeinden sektiererische Tendenzen.