Sekten- und Weltanschauungsfragen Sekten- und Weltanschauungsfragen
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Pluralismus im Christentum

Das Christentum hat sich wie alle großen Religionen im Laufe der Geschichte in verschiedene Richtungen aufgespalten. Manche diese Gruppierungen haben sich in dezidiertem Gegenüber zu den christlichen Kirchen entwickelt, so dass ihre Lehren und ihre Praxis trennenden Charakter bekamen.

Vielfalt von Anfang an

Religiöse Vielfalt ist nicht erst eine neue Erscheinungsform. Christlicher Glaube war von Beginn an durch Pluralität geprägt. Schon die biblischen Texte geben davon Zeugnis:

• Die Geschichten von Jesus fanden in verschiedenen „Evangelien“ ihren Niederschlag, das Neue Testament stellt vier von ihnen nebeneinander.

• Die frühchristlichen Briefe zeigen höchst unterschiedliche Gemeindesituationen, -prägungen und –strukturen. So konnte in den 1960er Jahren der Theologe Ernst Käsemann, die These formulieren: „Der neutestamentliche Kanon begründet … die Vielfalt der Konfessionen.“

• Und schon Paulus schrieb im Galaterbrief oder im 1. Korintherbrief von unterschiedlichen Parteiungen und Spaltungen. Er nannte sie „Häresien“ – daraus wurde später ein theologischer Fachbegriff, als Bezeichnung einer falschen Lehre, die keinen Platz in der Kirche beanspruchen darf. In der lateinischen Bibel wurde dieser Ausdruck mit „secta“ übersetzt – hier ist der begriffliche Ursprung unseres Wortes „Sekte“: „Richtung“, „Richtlinie“, abgeleitet von dem zugehörigen Verb „sequi“ – „folgen“.

Einheit und Abgrenzungen

Die Geschichte des christlichen Glaubens zeigt mitten in der Vielfalt, zugleich immer auch ein Ringen um Einheit und notwendige Unterscheidungs- und Abgrenzungsprozesse. Als spätestens mit dem 3. Jahrhundert die Idee von der Einheit einer allumfassenden Kirche bestimmend wurde, führte dies dazu, dass jede Abspaltung von der Hauptlehre als „Häresie“, als Irrlehre und Abfall vom Glauben und damit auch vom Heil gesehen wurde. Um die Einheit des Glaubens zu bewahren, wurden die Sektierer ausgeschlossen und bekämpft – leider und oft genug zum Schaden der Kirche mit Macht und Gewalt.

Dort wo die Mutterreligion auch kulturbestimmend war, führte eine solche Abspaltung auch zu einem Abbrechen der sozialen Gemeinschaft. Dies führte zur negativen Konnotation des Sektenbegriffs.

Religionsfreiheit und "Separatisten"!

Mit zunehmender Religionsfreiheit wurde auch diesen „Abspaltungen“ immer mehr Rechte eingeräumt, sofern sie nicht staats- oder bürgergefährdend agierten. Die großen Kirchen gingen Kompromisse mit der neuzeitlichen Kultur ein, mit der Aufklärung kam es auch zu einer wissenschaftlichen Theologie und zu einer sich säkular verstehenden Ethik. Die Aufgabe der Kirchen, ein allgemeines sittliches Bewusstsein zu fördern, konnte von den kleinen christlichen Gemeinschaften schon aufgrund ihrer Größe und ihres mangelnden gesellschaftlichen Einbindung kaum wahrgenommen werden. Sektierer – das waren jetzt vor allem kleine Gruppe von religiösen Separatisten.

Diese kulturelle Entwicklung veränderte das Selbstverständnis der Sekten: Die ab dem 19. Jahrhundert entstehenden Gruppen grenzten sich jetzt nicht nur von den Großkirchen ab, sondern auch von der mit den Kirchen verbundenen säkularen Welt. Sie bekamen prinzipiell einen gegen die Moderne gerichteten Zug und verbanden Kirchenkritik mit allgemeiner Gesellschaftskritik. Man findet bei ihnen als zentrales Denkmodell die Vorstellung von der Kirchengeschichte als eine Geschichte des Glaubensabfalls und der Wiederherstellung der Ursprünge durch die neue Gruppierung und ihre Lehre. Seit dem es diese neue Gemeinschaft gab, besteht ein strikter Dualismus von „drinnen“ und „draußen“, ihrer Gründer und Leiter werden über Gebühr verehrt, Kritik an ihnen, an ihrer Gemeinschaft oder ihren Lehren ist nicht möglich. Alle diese Neugründungen beziehen sich in ihrer Selbsteinschätzung auf die Bibel, neben diese werden aber weitere heilige Schiften oder Offenbarungen gestellt oder sie wird durch aktuelle Auslegungen als Vorstufe abgewertet.

Hier haben wir den klassischen theologisch bestimmten Sektenbegriff: Eine Abspaltung von einer Mutterreligion mit trennender Sonderlehre.

Zum problematischen Begriff „Sekte“: hier

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